Am südlichen Ende Europas
Nachdem ich viel zu lange nichts mehr von mir habe hören lassen, schulde ich euch wohl noch ein paar Berichte. Fangen wir also ganz vorne an, bei unserem Trip nach Klein-Großbritannien (auch als Gibraltar bekannt), Tarifa, Vejer de la Frontera und an das sehr geschichtsträchtige Kap von Trafalgar vor zwei Wochen. Und da ihr mir alle beigebracht habt, dass man so etwas am besten mit Hilfe einer Karte visualisiert, sollt ihr auch von mir so etwas bekommen. ;-)
Samstag ging es früh morgens los in Richtung Süden zu unserem ersten Stop in Gibraltar. Ich hatte mir felsenfest vorgenommen, nicht wieder die gesamte Autofahrt über zu schlafen - wie ich es bisher immer getan habe -, sondern auch mal etwas von Andalusien zu sehen, Landschaft und so - ihr wisst was ich meine. Ich hab das Vorhaben zwar nicht gänzlich umsetzen können, aber auch in den Phasen, in denen ich wach war, wurde mir klar, dass das Innere von Andalusien nicht der beste Ort für "Landschaft und so" ist. Über weite Strecken ist es einfach trocken und braun, teils gespickt mit ein paar Bäumen. Hin und wieder werden die Bäume dichter, es tauchen Oliven- und Baumwollfelder auf und am Wegrand blühen ein paar Büsche. Und überall, wirklich überall, gibt es Windkraftwerke. Aber bei so viel Sonne und so wenig Regen kann man eigentlich auch nichts anderes erwarten. Aber es steht noch der ein oder andere
Nationalpark auf meiner Liste - mal sehen, was mich dort erwartet. Ich hab versucht, ein bisschen was von der Landschaft festzuhalten, aber aus dem Auto ist sowas ja immer etwas schwierig.
Nach knapp drei Stunden kamen wir dann an der Grenze zu Gibraltar an, haben dort unser Auto stehen lassen und sind über die Grenze gelaufen. Schon der Grenzübergang ist für sich genommen merkwürdig. Ganz im Sinne eines Bahnübergangs durchquert man gleich nach dem Zoll und der Passkontrolle die Landebahn des Flughafens. Kommt ein Flugzeug, werden die Schranken und Tore geschlossen, die letzten Fußgänger von der Landebahn gescheucht, das Flugzeug landet und die Tore und Schranken gehen wieder auf. Die Stadt Gibraltar selbst ist nicht weniger eigenartig - ein absurde Mischung aus Großbritannien und Spanien. Das fängt schon bei der Sprachen an: wenn man mal ein bisschen zuhört, merkt man wie die Menschen mitten im Satz zwischen Englisch und Spanisch hin und her springen oder wie der eine auf Spanisch fragt und der andere auf Englisch antwortet. Ohren zu, Augen auf: Gibraltar verfügt über typisch englische/britische Gestaltungsmerkmale: rote Telefonzellen, diese schwarzen Mülleimer mit Goldrand und ebensolche Straßenschilder, dazu britisch gekleidete Polizisten und traditionelle Pubs. Alle Schilder sind natürlich englisch
und bezahlt wird mit Pfund. Allerdings wird das ganze von Palmen, gusseisernen Balkongittern mit viel zu vielen Blumentöpfen und spanischem Wetter begleitet. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung haben wir uns von der Seilbahn auf den Berg von Gibraltar bringen lassen, um die frei lebenden Affen zu bewundern. Und: sie sind echt süß! Den Nachmittag haben wir also damit verbracht über den Berg zu krackseln, durch alte Kriegsruinen zu klettern, uns die Sonne in den Nacken scheinen zu lassen und die Affen zu bewundern. Abends ging es dann weiter nach Tarifa, wo wir uns ein Hostel
gesucht hatten. Tarifa ist die südlichste Stadt auf europäischem Festland, also ging es Sonntag früh erst einmal zum (fast) südlichsten Punkt Europas (der tatsächlich südlichste Punkt liegt auf militärischem Sperrgebiet, auf dem Foto in meinem Rücken). Das ist gleichzeitig der Punkt, wo sich das Mittelmeer und das Atlantik treffen - ersteres sehr ruhig und mit Badestrand, letzteres deutlich unruhiger, mehr Wellen und mit ordentlich Seetang am Strand. Das sieht schon kurios aus, wenn man dazwischen steht.
Nach einer kurzen Tour durch Tarifa - ein sehr süßes Städtchen - haben wir uns auf den Weg nach Vejer de la Frontera gemacht. Das ist eines dieser typischen weißen Dörfer in Andalusien. Schon in Tarifa war alles sehr weiß, aber in Vejer wurde das noch mal übertroffen. JEDES Haus war weiß gekalkt, die Straßen grau, die Balkongitter schwarz und die einzige Farbe kam von den Pflanzen in den üblichen Blumentöpfen. Das sieht alles echt schön aus - auf längere Zeit würde es mich aber glaube ich wahnsinnig machen. Nach dem Mittagessen in einem Restaurant mit landestypsischen Fischgerichten haben wir uns auf Weg gemacht, die letzte Station der Reise zu erreichen: das Kap von Trafalgar. Auch wenn der Name sehr geschichtsträchtig ist, der Ort lässt davon nichts erahnen. Es ist schlicht und ergreifend ein sehr schöner Strand, an dem wir den Nachmittag verbracht haben. Mittlerweile ist das Meer leider schon sehr kalt (es war
immerhin Mitte Oktober) aber am Strand liegen und am Meer entlang spazieren konnte man schon noch sehr gut. Also haben wir uns einfach noch ein paar Stunden entspannt.
Beim nächsten Mal erzähle ich euch, wie Córdoba im Regen aussieht und was die Römer so in Italica fabriziert haben.
P.S. Weitere Fotos wie immer im Fotoalbum.